ENTWICKLER:INNEN KENNENLERNEN

Das Phänomen Her

Robyn Exton, CEO der weltweit grössten LGBTQ-App Her.

Her startete 2013 zunächst als Dating-App für lesbische Frauen. Doch mittlerweile hat CEO Robyn Exton sie in eine der weltweit grössten Plattformen für queere Frauen umgewandelt – mit drei Millionen Nutzerinnen in 55 Ländern. Her wird zwar immer noch hauptsächlich fürs Dating genutzt, aber das soziale Netzwerk erweitert seinen Fokus und gibt den Nutzerinnen die Möglichkeit, neue Freunde zu finden, sich Communitys anzuschliessen und sich ganz offen auf die Suche nach der eigenen Identität zu machen.

Ein Jahr bevor sie ihre App ins Leben rief, hatte Robyn einen Marketing-Job in London. Genervt von den schlecht designten und oft unseriösen Dating-Seiten für lesbische Frauen entschied sie sich, es besser zu machen. „Lesbische Frauen existieren. Auf Formularen gibt es eine Checkbox dafür. Wieso hat noch niemand eine App für uns gemacht?“, sagt sie.

Diese Frau ist für viele andere Frauen eine Heldin.

Deshalb brachte sie sich in ihrer Freizeit das Coden bei, nahm Web-Development-Kurse und ging zu Networking-Events in der Londoner Tech-Community. Es dauerte nicht lange, bis knapp 14.000 Euro von ihren Ersparnissen – einen kleinen Teil davon hatte sie in der EuroMillions-Lotterie gewonnen – für die Entwicklung ihrer App aufgebraucht waren. Also nahm sie eine Reihe von Jobs an, um sich und ihr Projekt über Wasser zu halten.

Robyn taufte ihre App zunächst Dattch, eine Verbindung aus den Wörtern „date“ und „catch“. Es war eine Art Grindr für lesbische Frauen. Nachdem sie aber ihre App im App Store veröffentlicht und ihren Job an den Nagel gehängt hatte, um Vollzeit an ihrem Projekt arbeiten zu können, stellte sie schnell fest, dass das Konzept für homosexuelle Männer nicht zwangsläufig auch für Frauen funktioniert.

Es ist ein grosses Problem, dass Frauen das Risiko scheuen und ihre Träume deshalb nicht verwirklichen. Ich wünschte mir, es gäbe mehr Unterstützung für Frauen, um sie zu ermutigen, mehr Risiken einzugehen.
– Robyn über die Gründe, warum es so wenig weibliche CEOs gibt. Aus einem Interview mit der australischen Elle im Apple Store in Sydney.

„Wenn nur Frauen deine App verwenden, ist das was ganz anderes“, erklärt sie. „Viele waren eher auf der Suche nach Freundschaften als nach Dates. Sie wollten meist einfach nur andere queere Gleichgesinnte finden, mit denen sie in eine Bar gehen können.“

Ihren Durchbruch schaffte sie mit der Aufnahme bei Wayra UK, einem in London ansässigen Start-up-Inkubator, der ihr die Anfangsfinanzierung sicherte.

Kleiner Sprung ins Jahr 2015. Nachdem Robyn die App überarbeitet, einen Namenswechsel zu Her vollzogen und eine Förderung in Höhe von ungefähr einer Million Euro ergattert hatte, wurde sie bei Y Combinator aufgenommen – einem renommierten Unternehmen aus dem Silicon Valley, das junge Start-ups coacht, finanziell unterstützt und auf ihren Pitch bei den Investoren vorbereitet. Sie nahm ihre Chance wahr und verlegte ihren Firmensitz nach San Francisco.

Heute haben Robyn und ihr Team vieles von der Community gelernt. Was als App für lesbische Frauen begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Plattform für Inklusion aller Art.

Das wird besonders deutlich, wenn du in Her dein Profil erstellst. Denn Angaben zum Geschlecht oder der Sexualität sind freiwillige Angaben – und die Auswahl an Optionen ist riesig. Die App umfasst mehr als 25 unterschiedliche Geschlechter und bietet dir über ein Dutzend Wahlmöglichkeiten für deine sexuelle Orientierung.

Mit Her kannst du neue Leute aus der Queer-Community kennenlernen. Ein Premium-Abo bietet dir erweiterte Filteroptionen für Profile und mehr.

Im Feed findest du alle möglichen Events in deiner Umgebung – von ungezwungenen Treffen bis hin zu politischen Veranstaltungen. Der neue Bereich für Communitys ermöglicht es dir, mit anderen über Identität und all das zu plaudern, was dich bewegt. Klink dich doch einfach mal in die Diskussionen bei „Queer Womxn of Color“, „Trans Womxn“, „Mindfulness & Wellbeing“ und vielen weiteren Communitys ein.

„Es geht nicht mehr nur darum, eine Freundin für mich zu finden“, fasst Robyn zusammen. „Es geht darum, anderen Menschen das Gefühl zu geben, dass sie Teil von etwas Grösserem sind.“