‣ Unternehmen: Mangolytics
‣ Gründer: Swupnil Sahai und Richard Hsu
‣ Mission: Profi-Technologie für alle Tennis-Fans
‣ App-Start: 2016 für die Apple Watch, 2019 für iPhone und iPad
‣ Teamgröße: 7
‣ Bevorzugtes Emoji: 🎾
Als Swupnil Sahai mit der Entwicklung von SwingVision begann, hatte er noch nie auch nur eine Zeile Code programmiert. Von der Pike auf gelernt hatte er dagegen, mit dem Tennisschläger umzugehen: „Ich wollte für mein Tennis dieselben Statistiken und Daten, wie die Profis sie haben – so entstand die Idee“, sagt er über seine Motivation.
SwingVision: A.I. Tennis App ist virtuelle:r Tennistrainer:in und Highlight-Film-App in einem. Wenn du spielst, richtest du die Kamera deines iPhone oder iPad auf den Platz. Die App ermittelt die Geschwindigkeit deiner Aufschläge, die Konsistenz deiner Schläge oder auch die Qualität deiner Körperhaltung und Fußarbeit.
Die App erstellt dir ein Video aller Rückhandschläge, die danebengegangen sind, kann aber auch einen Clip deiner Highlights zusammenstellen. „Ich finde im Handumdrehen meine fünf besten Ballwechsel und teil sie mit meinen Freund:innen – was ich auch tatsächlich oft tue“, so Sahai. Es ist sogar eine Version in Planung, die auch als Linienrichter:in fungieren kann.
Wir haben uns mit dem in Kalifornien beheimateten Entwickler getroffen, um über das vereinfachte Programmieren mit Swift zu sprechen, die merkwürdige Zählweise im Tennis und die Begebenheit, als er Andy Roddick half, sein iPhone zu finden.

SwingVision gehört derzeit zu den modernsten KI-gestützten Sport-Apps, und du hast ernsthaft ohne jede Programmiererfahrung angefangen?
Ja, ich habe mir selbst Swift beigebracht, damit meine Apple Watch meine Schläge und den Spielstand trackt. Ich war an der Columbia University mit meiner Dissertation beschäftigt, als Swift herauskam. Die Sprache schien etwas zugänglicher als Objective-C zu sein; also dachte ich mir: „Das kannst du dir vielleicht selber beibringen.“ Und es war eine tolle Erfahrung: Für Einsteiger:innen ist Swift eine echte Empfehlung als erste Programmiersprache.
Wie hast du die App von der Apple Watch aufs iPhone transferiert?
Nach meinem Abschluss habe ich an Lösungen für autonomes Fahren gearbeitet und mich eingehend mit Computervision befasst. Da werden Fahrzeuge und Fußgänger:innen mithilfe von KI erfasst. Bei der Arbeit hatte ich einen Einfall: „Das könnte man doch auch für Tennis realisieren.“ Apple spendierte dem iPhone äußerst leistungsfähige Bionic-Chips – die Voraussetzungen schienen gegeben. Die Apple Watch ist ein integraler Bestandteil von SwingVision, doch das iPhone eröffnet mit seiner Kamera ein ganzes Spektrum neuer Möglichkeiten.
Was war die größte Herausforderung?
Vor rund anderthalb Jahren haben wir die KI entwickelt, die die Ballflüge mit nur einer Kamera nachverfolgt. Bei den meisten Machine Learning-Modellen trainiert man die Lösung auf dem Computer und konvertiert es dann zu Core ML für das iPhone. Aber die Konvertierung klappte nicht, und uns kamen Panikgedanken: „Das kriegen wir niemals hin! Das Unternehmen steht vor dem Abgrund!“ Wir haben tatsächlich wochenlang Online-Foren durchforstet, bis wir den Bugfix fanden – es handelte sich buchstäblich um eine einzige Programmzeile. Diese haben wir auf dem Computer in Python ausgetauscht und dann neu konvertiert. Alles lief reibungslos.
Die Tennis-Profis Andy Roddick und James Blake zählen zu deinen Investor:innen. Wie kam es dazu?
James Blake war der erste Tennis-Pro, den ich kennengelernt habe. Dann waren wir in Texas bei einem Showmatch mit Andy Roddick, John McEnroe und Jim Courier. Wir waren in der Umkleide, und ich habe sie alle auf meine Lösung angesprochen. Andy zeigte am meisten Interesse, aber wirklich für das Produkt gewonnen hab ich ihn auf andere Weise: Er war auf dem Sprung zum Flughafen, konnte aber sein iPhone nicht finden. Er rief auf seinem iPhone an, aber es war auf lautlos gestellt. Ich meinte zu ihm: „Wenn du ‚Mein iPhone suchen‘ aktivierst, kann ich es für dich lokalisieren.“ Und er so: „Echt jetzt? Das geht?“ Und so haben wir sein iPhone gefunden.
Wie könnte die künftige Entwicklung von SwingVision aussehen?
Derzeit ist die App unter Vereinsspieler:innen am stärksten verbreitet, Erwachsene also, die fast jede Woche auf ein Turnier gehen. Im Grunde ist es aber ein tolles Tool für alle, die einfach dem Punktestand folgen möchten. Wir freuen uns über immer mehr User:innen, die noch in die Schule gehen oder nur Matches unter Freund:innen machen. Hier liegt meiner Meinung nach auch eine große Chance: Können wir helfen, mehr Menschen Tennis beizubringen? Können wir die Punktezählung automatisieren und verständlich machen? Ich meine, die Zählweise ist schon etwas sonderbar – Entschuldigung, ich muss lachen. Und selten hat man eine:n Schiedsrichter:in am Platz. Im Baseball hat man immer Schiedsrichter:innen, und kein Schul-Basketballspiel läuft ohne. Im Tennis dagegen muss man scheinbar alles selber machen: Linienrichter:in, Punktrichter:in ... Da besteht ganz sicher Potenzial. Wir wollen nicht ersetzen, was schon da ist, wir wollen den Sport zugänglicher für alle machen.
Mangolytics nimmt am App Store Small Business Program teil. Du hast selbst etwas entwickelt und möchtest mehr über das Programm erfahren? Folge dem nachstehenden Link.