Die Talente hinter dem Puzzler
Wie Gemustert zu einer Support-Community für Künstlerinnen wurde.
Viele Spiele gelten vielleicht als Kunst, aber nur wenige machen das Spiel mit Kunst zu einem so wunderschönen Erlebnis wie der Apple Arcade-Puzzler Gemustert.
In dieser cleveren Puzzlevariante musst du für jedes Teil das richtige Plätzchen auf der bildschirmfüllenden Illustration finden. Dabei handelt es sich aber nicht um gewöhnliche Kunst. Sämtliche Bilder stammen aus der Feder von Designtalenten, die sich auf die Gestaltung von Endlosmustern spezialisiert haben, welche sich nahtlos in jede Richtung fortsetzen. Du kennst solche Designs bestimmt von Tapeten oder auch Kinderbettwäsche.
2019 feierte das Spiel sein Debüt auf Apple Arcade und umfasst inzwischen mehr als 3.000 Illustrationen von Kunstschaffenden rund um den Globus, von denen sich 99 Prozent als Frauen identifizieren. Gemustert hat sich in der Welt des Musterdesigns mittlerweile einen so großen Namen gemacht, dass das dahinterstehende Entwicklungsstudio BorderLeap sogar eine Plattform ins Leben gerufen hat, auf der die Talente ihre Werke präsentieren.
Für Heather Dutton, die bisher mehr als 85 Illustrationen zum Spiel beigesteuert hat, ist die Gemustert-Community mit nichts vergleichbar. „Theoretisch stehen wir alle in Konkurrenz zueinander, aber praktisch unterstützen wir uns gegenseitig mit Ratschlägen.“
Was die Arbeit mit Gemustert so besonders macht, ist der Respekt, den BorderLeap den Kunstschaffenden entgegenbringt.– Ewa Brzozowska, Illustratorin
Die in Italien ansässige Illustratorin Gaia Marfurt ist der Community vor allem dankbar dafür, dass sie ihr bei sämtlichen geschäftlichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stand. „Am Anfang war das wirklich hilfreich, weil ich nichts über Lizenzverträge für Kunstwerke wusste – und dann war auch noch alles auf Englisch.“ Doch die Gemustert-Gemeinschaft unterstützte sie bei jedem Schritt.

So entsteht spielbare Kunst
Laut der polnischen Illustratorin Ewa Brzozowska besteht ein großer Unterschied zwischen dem Entwurf eines Endlosmusters für ein digitales Puzzle und dem Design für beispielsweise ein Geschirrhandtuch.
„Bei der Gestaltung von Textilien lasse ich nachfragebedingt viel Platz zwischen den einzelnen Elementen – in Gemustert undenkbar. Was sollst du schließlich mit einem Puzzleteil anfangen, das komplett weiß ist?“ Die 160 Bilder, die Brzozowska für das Spiel entwickelt hat, zeichnen sich durch eine dichte, detailreiche Komposition aus, sodass jedes Teil einen klaren Hinweis darauf gibt, wo es hingehört.

Die Proportionen sind ebenfalls zu berücksichtigen. Während sich textile Muster teilweise über einen knappen Meter erstrecken, kommt es in Gemustert deutlich weniger auf die Größe an, meint die indonesische Künstlerin Dewi Masita. „Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Auflösung; ich achte verstärkt darauf, dass jedes Detail des Designs klar zu erkennen ist.“
Im Spiel erscheinen die Kunstwerke zunächst als Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Aber je weiter du vorankommst, desto bunter leuchten sie. Auf der Apple Vision Pro ist das Puzzlevergnügen besonders spektakulär: Die Illustrationen füllen deinen gesamten Raum aus, was dir einen 360-Grad-Panoramablick beschert. Nachdem du alle Teil platziert hast, speicherst du das Gesamtbild bei Bedarf als Hintergrund für dein iPhone, dein iPad oder deinen Mac.
Da jedes Puzzle zunächst nur aus Linien besteht, hängt der Schwierigkeitsgrad sehr vom Zeichnungsstil ab. „Einige meiner Arbeiten sind eher skizzenhaft und enthalten nur eine Spur von Farbe“, sagt Brzozowska. „Auch wenn jede Runde auf diese Weise beginnt, stellen solche Puzzles doch eine etwas größere Herausforderung dar.“

Auf den Spuren einer künstlerischen Evolution
Während der Entwicklung des Spiels arbeitete BorderLeap eng mit Brzozowska und der neuseeländischen Künstlerin Mel Armstrong zusammen, um verschiedene Musterstile und sogar animierte Designs zu testen.
„Was die Arbeit mit Gemustert so besonders macht, ist der Respekt, den BorderLeap den Kunstschaffenden entgegenbringt. Die Teammitglieder begegnen uns auf Augenhöhe, anstatt uns als einen Kostenpunkt bei der App-Entwicklung zu betrachten“, erklärt Brzozowska. „Sie könnten natürlich auf lizenzfreie Bilder zurückgreifen, aber sie verfolgten von Anfang an ein anderes Konzept.“
In der Tat kommt Gemustert mittlerweile eine wichtige Funktion dabei zu, den Menschen einen Kunstzweig näherzubringen, von dem sie vielleicht gar nicht wussten, dass er existiert. „Das Spiel wirft ein Schlaglicht auf Designtalente wie mich und alle anderen Kunstschaffenden, die hier vertreten sind“, so Dutton.
Masita empfindet dies ähnlich. „Die Zusammenarbeit mit Gemustert hat mir eine neue kreative Möglichkeit eröffnet. Ich hätte vorher nie gedacht, dass meine Designs Teil eines Spiels sein könnten.“ Derzeit finden sich mehr als 25 digitale Puzzles von ihr in Gemustert.

„Du stößt nicht oft auf ein Projekt, das Kunst und Entspannung auf so einzigartige Weise in perfekten Einklang bringt“, ergänzt Brzozowska. „Ich weiß, dass ich den Menschen mit meinen Designs eine Freude mache, wenn sie die Puzzles lösen oder die Bilder als Hintergrund auf ihrem iPhone verwenden. Genau darum geht es bei Kunst – Momente voller Zufriedenheit und Verbundenheit zu erschaffen.“
Aktuell sind in Gemustert mehr als 3.000 Puzzles verfügbar. Durchstöbere die Auswahl nach den Namen der Designtalente oder filtere sie nach Tags für Feiertage, verschiedene Teile der Erde oder auch Motive wie Schmetterlinge oder Einhörner.