Jeder kennt sicher Buchreihen, die zu Spielen wurden – „Game of Thrones“, „The Witcher“, „Harry Potter“. Spiele, die zu Büchern werden, sind hingegen eher die Ausnahme.
Die Köpfe hinter dem Wimmelbildspiel June’s Journey kooperieren mit Cosy-Mystery-Autorin Carlene O’Connor, um ein neues Genre zu prägen. Zusammen bringen sie ihren ersten Krimi heraus: „Death Wasn’t Invited“.
„June ist eine grossartige Figur – unsere Spieler:innen lieben sie“, sagt Ben O’Donnell, Game Director bei Wooga, dem Studio hinter dem Spiel. „Wir fanden es schade, dass sie nicht jedem ein Begriff ist, so wie Sherlock Holmes.“
„Man wünscht sich immer eine Hauptfigur wie June. Sie soll klug und freundlich, aber auch abenteuerlustig und bereit dazu sein, für das Allgemeinwohl die Regeln zu brechen“, so O’Connor (mit bürgerlichem Namen Mary Carter).

„June hat all diese Eigenschaften. Dazu kommt ihr beeindruckender Hintergrund: Sie ist wohlhabend, ohne damit zu prahlen, gut gebildet und wunderschön – all das macht sie als Figur besonders spannend.“
Für alle, die sie nicht kennen: June Parker, Hauptfigur in June’s Journey, ist eine elegante Society-Lady der 1920er-Jahre, die als Amateurdetektivin ein Netz aus Familiengeheimnissen entwirren und den Mord an ihrer Schwester aufklären will.
Während June rund um die Welt reist, musst du als Spieler:in in detailreichen Szenen versteckte Objekte finden, die Hinweise für ihre Ermittlungen liefern. Mit jedem abgeschlossenen Level schaltest du neue Kapitel des Falls frei.
Der perfekte Nährboden also für einen Krimi.
„Die Leute lieben das Spiel, weil sie in eine Welt eintauchen und sich auf eine Reise begeben. Ich finde, bei Büchern ist das sehr ähnlich – man will die Leser:innen auf eine Reise mitnehmen – das greift also wunderbar ineinander“, sagt O’Connor.
Im Buch ist June in Paris und mit ihren Freunden Nate und Jack auf dem Weg zu einer Verlobungsfeier. Ohne Junes Wissen will Nate die Hochzeit verhindern, doch bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen kann, wird er ermordet. Jack steht unter Mordverdacht – und June muss seine Unschuld beweisen.

O’Connor ist vor allem für ihre Irish Village Mystery-Reihe bekannt, die sie zu einer Bestsellerautorin bei „USA Today“ gemacht hat. Bisher hat sie vielleicht noch nie ein Spiel in ein Buch verwandelt, aber das hier, sagt sie, „ist genau mein Ding“.
„Meine Hauptfiguren sind immer Frauen, es ist mein natürlicher Instinkt, über Frauen zu schreiben“, sagt O’Connor. „Es gibt schon so viele männliche Protagonisten, die die Geschichten da draussen dominieren, dass ich gerne für ein wenig Ausgleich sorge.“
Der Grossteil von O’Connors Leser:innen sind ebenfalls Frauen – was auch für die Fans des Spiels gilt.
Die Handlung des Buches ist zeitlich vor dem Spiel angesiedelt, aber Spieler werden wichtige Charaktere wiedererkennen, darunter Junes grosse Liebe Jack, der 1922, als das Buch spielt, lediglich ein Freund ist – wenn auch ein Freund, für den sie insgeheim schwärmt.
Für O’Connor war es eine völlig neue Erfahrung, gemeinsam mit einem Spiele-Studio zu schreiben.
„Schreiben kann manchmal so isolierend und einsam sein – oft habe ich mir gewünscht, ein Team zu haben“, sagt sie. „Jetzt durfte ich diese Erfahrung machen.“
O’Connor erarbeitete die Geschichte gemeinsam mit den Autor:innen des Spiels, Zach Parker und Elizabeth Vail.
„Ich war anfangs etwas unbeholfen damit“, gibt sie zu. Ihren ersten Berührungspunkt mit dem Spiel hatte sie, als Wooga mit der Idee für das Buch an sie herantrat.
„Ich habe eine Storyidee eingebracht, und sie meinten: ‚Oh, das gab es schon.‘“ Seit seiner Veröffentlichung 2017 hat June’s Journey schon viele Handlungsstränge erzählt.
Aber als der perfekte Handlungsstrang gefunden war, „kamen wir so richtig in Fahrt und hatten grossen Spass dabei.“
O’Connor versichert allen Fans des Spiels, die zum Buch greifen: „Die Spieler:innen erwartet ein nahtloses Erlebnis mit den Charakteren, die sie kennen und lieben, aber auch ein kleiner Einblick in die Vorgeschichte vor dem Spielstart, der etwas mehr über June verrät.“
Dürfen wir uns also auf eine Fortsetzung freuen, oder kommt als Nächstes vielleicht „June’s Journey: The Movie“?
„Ich bin sehr offen für alles, was die Zukunft bringt“, sagt O’Connor. Spieldirektor Ben O’Donnell wird sogar noch deutlicher: „Wir werden es definitiv in Betracht ziehen!“