Fragt man App-Entwickler:innen nach der grössten Veränderung in ihrem Arbeitsbereich in den letzten Jahren, erhält man eine einstimmige Antwort: KI.
Die Kombination menschlicher Kreativität mit KI und Machine Learning macht Apps leistungsfähiger denn je und verbessert unser tägliches Leben. Wir haben drei Expert:innen gefragt, wie sie KI in der App-Entwicklung einsetzen.
Janina Ferreira ist CTO von Translate Now, der Echtzeitübersetzungs-App, die Sprachbarrieren wie von Zauberhand verschwinden lässt.
Mikael Kågebäck ist CTO von Sleep Cycle. Die App hilft dir, deine Schlafmuster zu entschlüsseln, um das morgendliche Aufstehen zu erleichtern.
Und Sofie Marien und Lailla Elgohary sind die Köpfe hinter dem Selbstfindungsspiel NoMi Sim, bei dem du persönliches Wachstum in Form einer interaktiven Reise erlebst.
Hier erzählen sie, wie KI die App-Entwicklung verändert – und was sie für die Zukunft erwarten.
Sag Hallo zu deiner Programmierbegleitung
App Store: KI verändert bereits viele Bereiche unseres Alltags. Aber wie wirkt sie sich konkret auf eure Arbeit als App-Entwickler:innen aus?
Sofie: „Ich nutze KI als Assistent beim Programmieren – fast wie eine zweite Meinung. Sie hilft mir, Fehler zu beheben, effiziente Ansätze zu finden oder Tools zu entdecken, von denen ich noch nichts wusste. Das spart enorm viel Zeit – und gerade für ein Start‑up ist Zeit entscheidend.“
Mikael: „Spezialkenntnisse in einer bestimmten Programmiersprache werden immer unwichtiger. Wir bewegen uns hin zu Entwickler:innen, die sich mit allem ein wenig auskennen: verschiedene Sprachen, Back-End, Front-End. Mit KI kann man sehr schnell etwas auf die Beine stellen. Für Prototypen ist das unglaublich mächtig – und man braucht kaum Programmiererfahrung.“
Janina: „KI sollte nicht nur beim Programmieren eingesetzt werden, sondern in allen Phasen der App-Entwicklung: Ideenfindung, Design, Testing, Optimierung, Auswertung. Sie erspart uns endlose Routineaufgaben – und wir Menschen können uns auf das konzentrieren, wofür wir wirklich gebraucht werden.“

Herausstechen dank menschlicher Kompetenz
App Store: KI bietet unendliche Möglichkeiten. Aber menschliches Wissen und Expertise werden nie überflüssig. Wie geht ihr damit um?
Mikael: „Menschen sind unübertroffene Expert:innen darin, Mensch zu sein – und letzten Endes verkaufen wir unsere Produkte an Menschen. Es wird entscheidend sein, die eigene Handschrift in ein Produkt einfliessen zu lassen.“
Lailla: „Es geht um Geschmack und Kuratierung. KI hat keine eigene Meinung – Menschen schon. Unsere Aufgabe ist es, die menschliche Psychologie zu verstehen. KI hilft uns dabei, aber das ist nicht alles.“
Janina: „Irgendwann werden Nutzer:innen erwarten, dass sich Apps so anfühlen, als wären sie speziell für sie persönlich entwickelt. Diese Personalisierung kann Technologie sogar menschlicher wirken lassen. Es ist noch ein weiter Weg, aber es wird zum Standard werden.“
KI hat keine eigene Meinung – Menschen schon. Unsere Aufgabe ist es, die menschliche Psychologie zu verstehen. KI hilft uns dabei, aber das ist nicht alles.– Lailla Elgohary, CEO und Mitbegründerin von NoMi

Die neue Welt der Personalisierung
App Store: Ihr habt Personalisierung angesprochen – ist das der nächste grosse Schritt in der App-Entwicklung?
Sofie: „Die Personalisierungsmöglichkeiten sind mittlerweile so vielfältig, dass man nicht mehr jede einzelne Option im Voraus bedenken muss. Inhalte entstehen spontan – je nachdem, was die KI aus dem aktuellen oder früheren Verhalten ableitet. Das sind Inhalte, die sich ständig weiterentwickeln und nie alt werden.“
Janina: „KI ist kein Add‑on mehr. Sie wird zum Fundament. Nutzer:innen erwarten viel stärkere Personalisierung, schnellere Ergebnisse und intelligente Features. Es geht also nicht nur darum, aufzufallen oder ein Problem zu lösen, sondern angesichts steigender Erwartungen relevant zu bleiben.“
Mikael: „Daten von Menschen zu verstehen und damit zu arbeiten, ist entscheidend: Arbeite eng mit den Nutzer:innen zusammen, verstehe, wie sie mit der App interagieren, und antizipiere Bedürfnisse, bevor sie ausgesprochen werden.“

Entwickler:innen der Zukunft
App Store: Wenn ihr das perfekte Toolkit für „die App-Entwickler:innen der Zukunft“ bauen könntet – wie würde es aussehen?
Lailla: „Wissen! So viel wie möglich bauen und experimentieren. Warte nicht auf das perfekte Lehrbuch oder die perfekte Forschung. Leg einfach los und probier rum.“
Janina: „Man braucht eigentlich nur sich selbst und die Bereitschaft, zu lernen und Herausforderungen zu meistern. Wir hatten keinerlei Erfahrung im Programmieren oder Marketing – und trotzdem haben unsere Apps über 100 Millionen Nutzer:innen erreicht. Ausdauer und Lernbereitschaft zählen mehr als Abschlüsse. Und: Sei jederzeit anpassungsfähig, denn die App-Landschaft verändert sich jedes Jahr.“
Sofie: „Hab ein Ziel und lass dich nicht von Technologien bremsen, die du noch nicht kennst. Nutze KI, um zu lernen, Bugs zu beheben, Dokumente zusammenzufassen … Sei widerstandsfähig und neugierig.“
Mikael: „Genau: Sei extrem neugierig, liebe, was du tust, und lerne ständig Neues.“
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