Du bist Fan von Match- und Mergespielen? Dann dürfte dich Longleaf Valley sofort begeistern. Du schlüpfst in die Rolle der Biologin Ash Williams, die einem Tal wieder zu idyllischem Glanz verhelfen will. Dazu pflanzt du Bäume und Sträucher an, klaubst verstreuten Abfall auf und rettest Tiere – und zwar indem du im Spielbereich gleiche Items miteinander verschmilzt und hochlevelst. Gleichzeitig behältst du deine Ressourcen im Blick, damit dir weder der Platz noch die Energie ausgeht.
So weit, so vertraut. Doch einen Unterschied gibt es: Neben deinen In-Game-Ressourcen sammelst du in Longleaf Valley auch Tree Tokens. Damit bringst du zwar weder die Geschichte noch dein virtuelles Tal weiter voran, aber dafür werden echte Bäume in der realen Welt gepflanzt.
„Im Grund haben alle Menschen ein Herz für die Umwelt. Doch die meisten wissen nicht so richtig, was sie tun, wo sie anfangen oder wie sie helfen können“, erklärt Laura Carter, CEO und Mitbegründerin von TreesPlease Games, dem Studio hinter Longleaf Valley. „Daher erschien es mir eine gute Idee zu sein, den Leuten auf einfache, unkomplizierte, aber wirkungsvolle Weise einige Lösungen aufzuzeigen.“
Ein Leben voller Umweltbewusstsein
Naturschutz war Carter schon immer ein großes Anliegen. Als Kind kratzte sie ihr Taschengeld zusammen und sammelte Spenden für Organisationen wie die RSPCA und Greenpeace. Und auch später, als sie bereits in der Gamingbranche tätig war, nutzte Carter jede freie Minute, um an Klimaprotesten teilzunehmen und bei Umwelttelefonen mitzuhelfen.

Während sie für das Spiel CSR Racing 2 der Entwicklungsschmiede NaturalMotion eine Aufklärungs- und Spendenkampagne für HIV/AIDS entwarf, dämmerte Carter, dass sie ihr Engagement direkt in ihre Arbeit einfließen lassen könnte. Ihre Idee? Ein umweltbewusstes Gamingstudio. Und so zählte sie 2019 zum Gründungsteam von TreesPlease, dessen erstes Spiel Longleaf vier Jahre später herauskam.
Zwei Millionen Bäume … Tendenz steigend
Indem Longleaf Valley den Fokus aufs Bäumepflanzen richtet, will das Spiel nicht einfach nur unterhaltsam sein, sondern auch eine Vorbildfunktion für den Umweltschutz einnehmen. Für Carter ist es eigenen Angaben zufolge wichtig, dass sich die Communitymitglieder für die Bäume verantwortlich fühlen, die mit ihrer Hilfe gepflanzt werden, und dass sie verstehen, wie viel Positives sie durch ihr Handeln bewirken können.
Was das für die echte Welt bedeutet, ist kaum zu glauben. Laut TreesPlease hat die Community seit der Veröffentlichung des Spiels im Jahr 2023 dazu beigetragen, dass mittlerweile mehr als zwei Millionen neue Bäume in sechs Ländern wachsen. Das entspricht quasi der Wiederaufforstung von Hunderten Fußballfeldern, wodurch sich die Emissionen von Zehntausenden Flügen ausgleichen und Dutzende Hektar Meereis retten lassen.
„Alles fühlt sich immer noch ziemlich surreal an“, meint Carter. „Wir haben durch unser Engagement richtige Bäume gepflanzt, echte Jobchancen geschaffen, tatsächliches CO2 gebunden und Tiere geschützt.“
Ich würde mich freuen, wenn die Menschen beim Spielen spüren, dass sich auch andere für den Schutz unseres Planeten einsetzen.– Laura Carter, CEO und Mitbegründerin von TreesPlease Games
Für Carter besteht der Sinn von Longleaf Valley nicht nur darin, Bäume in der echten Welt zu pflanzen. Es geht auch darum, der Community auf zugängliche Art und Weise umfassendes Wissen zu diversen Umweltthemen zu vermitteln. Das Spiel zeigt die positiven Effekte von Naturschutz auf, indem unter anderem mit jedem Fortschritt mehr Tiere in ihren natürlichen Lebensraum zurückkehren.
Auch bei den In-Game-Events dreht sich alles um wichtige Umweltfragen. Bei der „Ocean Rescue“-Aufgabe säuberst du beispielsweise ausgemusterte Fischnetze und verstehst, welche Folgen der Fischfang für die Meereslebewesen unseres Planeten hat.

Zurück aufs Festland. Bäumepflanzen umfasst viel mehr, als nur einen passenden Platz zu finden und eine Schaufel in die Hand zu nehmen. Aus diesem Grund arbeitet TreesPlease mit Eden: People+Planet zusammen. Die Non-Profit-Organisation für Renaturierung kümmert sich um die sorgfältige Auswahl der Orte für die Bepflanzung – meist handelt es sich dabei um Flächen, auf denen sich früher schon Wälder befanden. Und genau dort pflanzen die Teams dann einheimische Arten an.
„Uns geht es nicht nur ums Pflanzen, sondern vielmehr um Aufforstung und Renaturierung“, so Bryan Adkins, CEO von Eden. „Wenn im zweiten Jahr alle neuen Bäume tot sind, weil sie an der falschen Stelle wuchsen, gab es dort wahrscheinlich aus gutem Grund noch nie einen Wald. Möglicherweise bricht ständig ein Feuer aus. Dann haben alle Bemühungen nichts gebracht“, erklärt er. „Ein Wettrennen um die billigsten Bäume führt immer nur nach unten und damit zu nichts anderem als aggressivem Greenwashing.“
Carter hofft, dass die Arbeit von TreesPlease langfristig weit übers Bäumepflanzen hinausgeht, um auch andere Umweltthemen abzudecken – und das Studio zu einer Anlaufstelle für spendenorientiertes Gaming zu machen.
„Ich würde mich freuen, wenn die Menschen beim Spielen spüren, dass sich auch andere für den Schutz unseres Planeten einsetzen“, meint Carter. „Ich möchte ihnen Hoffnung schenken und einen Raum geben, damit sie beim Spielen gleichzeitig das Gefühl bekommen, etwas Gutes zu tun.“